Prüfungsfrage EA102
Welche Einheit wird üblicherweise für die Induktivität verwendet?
A
Henry (H)
B
Amperestunden (Ah)
C
Ohm ($\Omega$)
D
Farad (F)
Der Formelbuchstabe $L$ wurde zu Ehren des Professors Emil Lenz (1804–1864) aus St. Petersburg gewählt, der die nach ihm benannte Lenzsche Regel formulierte.
Eine Spule besitzt die Induktivität $L$ mit der Einheit $1 Vs/A$, die üblicherweise in *Henry* ($\henry$) angegeben wird. Die Einheit ist nach dem amerikanischen Physiker *Joseph Henry* (1797–1878) benannt. Eine Induktivität von $1 \henry$ liegt vor, wenn eine Stromänderung von $1 A$ innerhalb einer Sekunde eine Selbstinduktionsspannung von $1 V$ hervorruft. In der Praxis liegen die Werte von Induktivitäten meist deutlich darunter und werden typischerweise in $m\henry$, $µ\henry$ oder $n\henry$ angegeben.
Mithilfe der Formel und den folgenden qualitativen Zusammenhängen kann man bereits eine Reihe von Prüfungsfragen lösen:
Die Induktivität steigt quadratisch mit der Windungszahl. Wenn die Windungszahl verdoppelt wird, dann steigt die Induktivität auf das Vierfache.
Wenn die Spule zusammengedrückt wird, dann steigt die Induktivität $L$.
Wenn die Querschnittsfläche vergrößert wird, dann steigt die Induktivität $L$.
Wenn das Magnetfeld in der Spule durch ein geeignetes, magnetisch leitfähiges Material (z.B. Eisen) verstärkt wird, dann steigt die Induktivität $L$.
Prüfungsfrage EC305
Wie kann man die Induktivität einer zylindrischen Spule vergrößern?
A
Durch Einführen eines Kupferkerns in die Spule.
B
Durch Stauchen der Spule in Längsrichtung.
C
Durch Einbau der Spule in einen Abschirmbecher.
D
Durch Auseinanderziehen der Spule in Längsrichtung.
Wenn man die Spule staucht, dann wird $l$ verkleinert. Dadurch steigt die Induktivität $L$.
Prüfungsfrage EC306
Vorausgesetzt sind zwei Spulen in gleicher Umgebung, mit gleicher Windungszahl und mit gleicher Querschnittsfläche. Die erste Spule hat eine Induktivität von 12 μH. Die zweite Spule hat die doppelte Länge der ersten Spule. Wie hoch ist die Induktivität der zweiten Spule?
A
24 μH
B
6 μH
C
3 μH
D
48 μH
Wenn man die Spulenlänge $l$ verdoppelt, dann muss sich die Induktivität $L$ halbieren.
Prüfungsfrage EC307
Wie ändert sich die Induktivität einer Spule von 12 μH, wenn die Windungszahl bei gleicher Wickellänge verdoppelt wird?
A
Die Induktivität steigt auf 24 μH.
B
Die Induktivität sinkt auf 3 μH.
C
Die Induktivität sinkt auf 6 μH.
D
Die Induktivität steigt auf 48 μH.
Wenn die Anzahl der Windungen $N$ verdoppelt wird, dann vervierfacht sich die Induktivität $L$.
Wenn die Windungszahl verringert wird, dann sinkt die Induktivität, aber selbst bei einer halben oder Viertelwindung und sogar bei einem geraden Stück Draht ist noch eine geringe parasitäre Induktivität vorhanden.
Prüfungsfrage EC304
Hat ein gerades Leiterstück eine Induktivität?
A
Ja, jeder Leiter besitzt, unabhängig von der Form, eine Induktivität.
B
Nein, beispielsweise im Vakuum entstehen keine Induktivitäten.
C
Nein, der Leiter muss wenigstens eine Krümmung (eine viertel, halbe oder ganze Windung) haben.
D
Ja, solange der Blindwiderstand 0 Ohm beträgt.
Als ferromagnetisch bezeichnen wir eine bestimmte Klasse an Materialien, die auf atomarer Ebene kleine Elementarmagnete enthalten, die sich unter dem Einfluss eines äußeren magnetischen Felds ausrichten und so die magnetische Flussdichte stark erhöhen (mit der wir uns an dieser Stelle aber noch nicht beschäftigen). Unter den reinen chemischen Elementen sind nur Eisen, Kobalt und Nickel ferromagnetisch.
$\mu_r$, man sagt auch relative Permeabilität, ist bei ferromagnetischen Materialien sehr groß (bei Eisen zum Beispiel im Bereich von $300\dots\num{10000}$).
Prüfungsfrage EB204
Welcher der nachfolgenden Werkstoffe ist bei Raumtemperatur ein ferromagnetischer Stoff?
A
Kupfer
B
Eisen
C
Chrom
D
Aluminium
Wenn man ein ferromagnetisches Material wie Eisen in die Spule einführt, dann wird das Magnetfeld verstärkt und die Induktivität steigt.
Wenn wir in eine Zylinderspule einen Kern aus einem gut leitenden (nicht-ferromagnetischen) Metall wie Aluminium oder Kupfer einführen, dann sinkt die Induktivität der Spule hingegen. Das liegt daran, dass das hochfrequente Magnetfeld der Spule in den Kernen Ströme, sogenannte Wirbelströme, erzeugt ("induziert"). Diese sekundären Ströme erzeugen wiederum Magnetfelder, die dem Magnetfeld der Spule entgegenwirken. Deshalb sinkt die Induktivität. Das magnetische Feld im Inneren des Kerns wird dabei reduziert.
Die in der folgenden Frage als richtig betrachtete Antwort ist die, dass das Magnetfeld nicht in den Kern eindringen kann und deshalb der Querschnitt des Feldes verringert. Das ist aber nicht ganz das, was physikalisch passiert. Einfach die "richtige" Antwort merken.
Prüfungsfrage EB205
Welcher Effekt verringert die Induktivität einer von hochfrequentem Strom durchflossenen Spule beim Einführen eines Kupfer- oder Aluminiumkerns?
A
Das leitfähige Metall schließt das Feld kurz, sodass es im Inneren der Spule verschwindet.
B
Das hochfrequente Magnetfeld kann nicht in den Kern eindringen, was den Querschnitt des Feldes verringert.
C
Kupfer und Aluminium sind nicht magnetisch und haben keinen Einfluss auf das Feld.
D
Kupfer und Aluminium sind ferromagnetisch und schwächen das Feld ab.
Schauen wir uns, wie beim Kondensator auch, zuerst das Gleichstromverhalten der Spule an: Die Spule wird über einen Vorwiderstand an eine Gleichspannungsquelle angeschlossen, wie in Abbildung NE-8.2.4 dargestellt. Im Moment des Einschaltens wird der Stromanstieg zunächst verzögert, sodass der Strom nicht sprunghaft, sondern nur allmählich bis zu seinem Maximalwert ansteigt.
Ursache hierfür ist die Lenzsche Regel: Beim Anstieg des Stroms erzeugt die Spule eine Selbstinduktionsspannung, die der Stromänderung – und damit der Ursache – entgegenwirkt. Dadurch wird der Stromanstieg begrenzt. Da zu Beginn noch kein Strom fließt, fällt zunächst nahezu die gesamte angelegte Spannung an der Spule ab. Mit zunehmendem Strom nimmt diese Induktionsspannung ab, während der Strom weiter ansteigt.
Ist der stationäre Zustand erreicht, verhält sich die Spule bei Gleichstrom näherungsweise wie ein Stück Draht. Die an ihr abfallende Spannung ist dann praktisch null. Der zeitliche Verlauf der Spannung an der Spule ist in Abbildung NE-8.2.5 dargestellt.
Ausführliche Beschreibung: Ein Koordinatensystem hat eine horizontale Achse mit der Beschriftung „t“ und eine vertikale Achse mit der Beschriftung „U“. Eine Kurve beginnt oben links, führt zunächst steil nach unten und nähert sich dann allmählich der „t“-Achse an. Es sind keine weiteren Beschriftungen oder Maße vorhanden.">
Abbildung NE-8.2.5: Spannungsverlauf beim Einschalten
Im Ausschaltmoment will die Selbstinduktionsspannung den Stromfluss aufrechterhalten. Die Spule wirkt dann als Generator, dessen Induktionsspannung entgegengesetzt zur vorherigen Polarität entsteht. Damit verhält sich die Spule exakt gegenteilig zum Kondensator. Diese Vorgänge kann man gut mithilfe eines Oszilloskops wie in Abbildung NE-8.2.6 beobachten.
Prüfungsfrage EC302
Schaltet man zwei Leuchtmittel gleichzeitig an eine Gleichspannungsquelle, wobei ein Leuchtmittel, Lampe 1, zum Helligkeitsausgleich über einen Widerstand und das andere, Lampe 2, über eine Spule mit vielen Windungen und Eisenkern angeschlossen ist, so ...
A
leuchtet Lampe 2 zuerst.
B
leuchten Lampe 1 und Lampe 2 genau gleichzeitig.
C
leuchtet Lampe 1 zuerst.
D
leuchtet Lampe 2 kurz auf und geht wieder aus. Lampe 1 leuchtet.
Ähnlich wie beim Kondensator verhält sich eine Spule unterschiedlich, wenn sie an Gleichspannung oder an Wechselspannung angeschlossen wird. In der Funktechnik ist vor allem das Verhalten an Wechselspannung wichtig. Deshalb schauen wir uns nun das Wechselstromverhalten an.
Die Spule zeigt, ähnlich wie ein Kondensator, einen Wechselstromwiderstand $X_{\textrm{L}}$, das heißt, obwohl der Spulendraht nur einen sehr kleinen ohmschen Widerstand (Leiterwiderstand) besitzt, fließt ein Strom, der aber mit steigender Frequenz der Wechselspannung kleiner wird:
$X_{L} = \omega \cdot L = 2\cdot\pi\cdot f \cdot L$
Aus der Formel lässt sich erkennen, dass der Wechselstromwiderstand mit zunehmender Frequenz ansteigt und mit abnehmender Frequenz sinkt.
Prüfungsfrage EC303
Welches Verhalten zeigt der Wechselstromwiderstand einer idealen Spule mit zunehmender Frequenz?
A
Er steigt.
B
Er sinkt bis zu einem Minimum und steigt dann wieder.
C
Er steigt bis zu einem Maximum und sinkt dann wieder.
D
Er sinkt.