NEA · Kapitel 8 · Einheit 1

Kondensator I

Ein sehr wichtiges und häufig verwendetes Bauteil in der Funktechnik und Elektronik ist der Kondensator. Wie in Abbildung NEA-8.1.1 dargestellt, besteht ein Kondensator prinzipiell aus zwei leitenden Flächen (Platten, Schichten bzw. Elektroden), die durch einen Isolator – das sogenannte Dielektrikum – voneinander getrennt sind.

Wird an einen Kondensator eine Spannung angelegt, entsteht zwischen den leitenden Platten ein elektrisches Feld $E$. Diesen Zusammenhang haben wir bereits im Kapitel zum elektrischen Feld kennengelernt: Je höher die angelegte Spannung und je kleiner der Abstand zwischen den Platten ist, desto stärker ist das elektrische Feld. Mathematisch lässt sich dies ausdrücken durch:

$E = \frac{U}{d}$

Zur Berechnung der Kondensatorkapazität aus den Abmessungen dient folgende Formel aus der Formelsammlung:


$C = \frac{\varepsilon_0 \cdot \varepsilon_r \cdot A}{d}$

Im Folgenden sind die einzelnen Größen der Formel aufgeschlüsselt:

  • $A$ ist die gegenüberstehende Fläche der leitenden Platten
  • $d$ ist der Abstand zwischen den Flächen
  • $\varepsilon_0 = 0,855e-11 As/Vm$ ist die elektrische Feldkonstante, eine Naturkonstante
  • $\varepsilon_r$ (sprich: "Epsilon R") ist eine spezielle Eigenschaft des Isolators (Dielektrikum) ist die sogenannte relative Dielektrizitätszahl welche vom Verwendeten Material abhängt. Die Tabelle NEA-8.1.2 mit Materialwerten findet man auch in der Formelsammlung.
Mit Hilfe der Formel kann man bereits eine Reihe von Prüfungsfragen lösen. Man stellt zunächst fest, dass die Spannung $U$ in der Formel nicht vorkommt.
Prüfungsfrage EC205

Von welcher der nachfolgenden Größen ist die Kapazität eines Plattenkondensators nicht abhängig?

Die Kapazität eines Kondensators sinkt, wenn der Plattenabstand größer wird.

Prüfungsfrage EC204

In welchem Fall sinkt die Kapazität eines Plattenkondensators?

Prüfungsfrage EC203

Wodurch verringert sich die Kapazität eines Plattenkondensators? Durch ...


Betrachten wir zunächst den Kondensator im Gleichstromfall. In Abbildung NEA-8.1.3 ist eine Schaltung zum Aufladen eines Kondensators dargestellt. Dabei wird angenommen, dass der Kondensator $C$ zunächst ungeladen ist, also noch keine elektrische Ladung gespeichert hat. Wird der Schalter geschlossen, so wird der Kondensator $C$ über einen Widerstand $R$ an eine Gleichspannungsquelle (Batterie) angeschlossen.

Durch die angelegte Spannung entsteht ein elektrisches Feld zwischen den Kondensatorplatten. Dieses Feld bewirkt eine Umlagerung von Ladungen: Elektronen werden vom negativen Pol der Spannungsquelle auf die angeschlossene Kondensatorplatte gedrückt, sodass sich dort ein Elektronenüberschuss bildet. Gleichzeitig werden Elektronen von der gegenüberliegenden Platte zum positiven Pol der Spannungsquelle abgezogen, wodurch dort ein Elektronenmangel entsteht. Obwohl kein Strom durch das Dielektrikum fließt, führt diese Ladungstrennung zur Aufladung des Kondensators.